Die Entlarvung des „1619 Project“ der New York Times und die Verteidigung der historischen Wahrheit auf der World Socialist Web Site

Von Niles Niemuth
17. November 2020

Wie weitere Redner auf dieser Online-Rally bereits angemerkt haben, ist die Verteidigung der historischen Wahrheit für die Arbeit der World Socialist Web Site von zentraler Bedeutung. Unsere politische Praxis gründet sich stets darauf, sich die Lehren aus der Vergangenheit anzueignen. Die mächtigste Waffe, über die die Arbeiterklasse verfügt, besteht in dem Wissen über die historischen Erfahrungen, durch die sie gegangen ist. Sie erhält dadurch Kenntnis darüber, was sie erreicht hat, was sie heute verteidigen muss und wie sie für die Verwirklichung des Sozialismus in der Zukunft kämpfen kann.

Von der Verteidigung der Russischen Revolution und Leo Trotzkis gegen die stalinistischen und post-stalinistischen Schulen der Geschichtsfälschung bis hin zum Kampf gegen die Verharmlosung der Naziverbrechen in Deutschland stand die trotzkistische Bewegung seit ihrer Gründung an der Spitze des Kampfs für historische Wahrheit.

Der große Historiker der Linken Opposition, Wadim Rogowin, erklärte: „Ideologische wie historische Mythen sind das Produkt direkter Klasseninteressen. … Widerlegen lassen sich diese Mythen durch die Wiederherstellung der historischen Wahrheit, der wahrheitsgetreuen Darstellung der Fakten und Tendenzen der Vergangenheit.“

Im vergangenen Jahr nahm der Kampf zur Verteidigung der historischen Wahrheit eine neue Form an: die Verteidigung der revolutionären Traditionen der großen demokratischen Revolutionen in den Vereinigten Staaten – der Amerikanischen Revolution und des Bürgerkriegs. Für viele war es eine Überraschung, als die WSWS an vorderster Front gegen das „1619 Project“ der New York Times auftrat. Das Projekt, das die Geschichte der USA als Geschichte von Rassenkonflikten darstellt, verfolgt das Ziel, die amerikanische Geschichte umzuschreiben und zu verfälschen.

Tatsächlich sind wir die einzige Publikation, die von links Kritik an dem Projekt geübt hat. Diese Verwirrung rührte von der Tatsache her, dass die wirklichen Prinzipien des Marxismus und Sozialismus durch die Pseudolinken aus der Mittelschicht, die in Wirklichkeit eine anti-linke Tendenz darstellen, völlig verzerrt und falsch dargestellt wurden.

Unser erster ausführlicher Kommentar zum Projekt wurde am 3. September 2019 veröffentlicht – nur zwei Wochen, nachdem das Projekt mit großem Trara in einer Sonderausgabe des New York Times Magazine veröffentlicht worden war. Von Anfang an erkannten wir, dass hier die fundamentalsten theoretischen und politischen Fragen auf dem Spiel standen.

Das Umschreiben der Geschichte ist immer mit den politischen Interessen der Gegenwart verbunden. Wie wir in unserem ersten Kommentar angemerkt haben, verfolgt die New York Times das Ziel, „ein geschichtliches Narrativ für die Demokratische Partei [zu schaffen], um deren Bemühungen für den Aufbau eines identitätspolitischen Wahlbündnisses voranzutreiben. Neben Geschlechterfragen sollen also sexuelle Präferenzen und Volkszugehörigkeit eine entscheidende Rolle spielen – allem voran jedoch die Rassenfrage.“

Wir verteidigen alles Fortschrittliche in der Geschichte. Wir verstehen Geschichte nicht als eine Fabel über moralische Fragen, sondern als die Evolution der Menschheit durch die Entwicklung des Klassenkampfs. Wir verstehen, dass die Arbeiterklasse keine neuen Gipfel erobern kann, wenn sie nicht das verteidigt, was in der Vergangenheit erkämpft wurde. Und wir sind unversöhnliche Gegner aller Bestrebungen, die Arbeiter nach Hautfarbe, Nationalität oder Geschlecht zu spalten.

Der Marxismus ist sich der Beschränktheit der bürgerlichen Demokratie seit langem bewusst, aber er hat den Kampf für Gleichheit nie aufgegeben. Die auf den Bannern der bürgerlichen Revolutionäre des 18. und 19. Jahrhunderts eingeschriebene progressive Auffassung, dass „Alle Menschen gleich geschaffen sind“, findet heute in der marxistischen Bewegung ihren fortschrittlichsten Ausdruck.

Die USA sind das Zentrum der internationalen Bewegung. Die amerikanische Arbeiterklasse wurde aus unzähligen Nationalitäten und Ethnien aus allen Teilen der Welt geschmiedet. Die Herausforderung, die Arbeiterklasse in den Vereinigten Staaten zu vereinen, ist für den Sieg des Sozialismus weltweit entscheidend.

Wir sind stolz, den hervorragendsten Forschern der amerikanischen Geschichte, darunter Gordon Wood, James McPherson, James Oakes, Victoria Bynum, Clayborne Carson, Richard Carwardine, Adolph Reed, Jr. und Dolores Janiewski, für ihre Kritik am 1619 Projekt ein Massenpublikum geboten zu haben. Sie alle haben ihr Lebenswerk der Verteidigung der historischen Wahrheit und den Prinzipien einer demokratisch motivierten Wissenschaft gewidmet.

Aufgrund der Arbeit, die die WSWS geleistet hat, wurde das 1619 Projekt gründlich entlarvt. Das von uns veröffentlichte Material, das dank des Relaunchs der Website leicht zugänglich ist, wurde von Lesern in aller Welt hunderttausendfach aufgerufen. Diese kraftvolle Reaktion macht vor allem deutlich, dass die Arbeiter in diesem Land und auf der ganzen Welt tief mit der revolutionären Geschichte der Vereinigten Staaten verbunden sind – verkörpert durch die Unabhängigkeitserklärung und den von Abraham Lincoln im Bürgerkrieg geführten Kampf zur Zerschlagung der Sklaverei – sowie mit den monumentalen Kämpfen, aus denen die Arbeiterklasse hervorgegangen ist.

Der Relaunch der WSWS basiert auf einem Verständnis der Beziehung von Vergangenheit und Gegenwart. In der Tat besteht ihr Ziel ihrer ganzen Form nach darin, diese Verbindungen herzustellen. Die WSWS selbst ist ein enormes Archiv historischer Wahrheit. Was die WSWS in den letzten zwei Jahrzehnten erreicht hat, muss vorangebracht und verbreitert werden, um die internationale Arbeiterklasse für die monumentalen Kämpfe der Zukunft auszurüsten.

 

Siehe auch:

Der Relaunch der World Socialist Web Site und die Zukunft des Sozialismus
[27. Oktober 2020]

Die World Socialist Web Site und die Verteidigung der historischen Wahrheit
[3. November 2020]