USA: Mehr als 130.000 Coronavirus-Infektionen

Von Bryan Dyne
30. März 2020

Die Zahl der offiziell bestätigten Coronavirus-Fälle in den USA liegt mittlerweile bei weit über 125.000, die Zahl der Toten durch das Virus bei über 2.200. Alleine am Samstag kamen mehr als 19.000 neue Fälle hinzu, was den weltweit größten Anstieg bedeutet, gleichzeitig mit über 500 zusätzlichen Todesfällen. Damit befinden sich mehr als ein Sechstel aller weltweiten Coronavirus-Fälle in den USA.

Ein Patient, der auf COVID-19 getestet wurde, wird letzten Donnerstag ins United Memorial Medical Center in Houston (Texas) gebracht. (AP Photo/David J. Phillip)

In den USA steigt die Zahl der Erkrankungen weiter exponentiell an. Dass sich die Zahl der gemeldeten Fälle und der Toten innerhalb von vier Tagen verdoppelt hat, bedeutet die höchste Verbreitungsrate des Virus weltweit. Die Zahl der Infektionen weltweit ist fast auf 700.000 gestiegen, die Zahl der Toten liegt jetzt über 30.000, und diese Zahlen verdoppeln sich alle sechs Tage. Praktisch alle Länder der Erde haben mittlerweile mindestens einen Fall gemeldet.

Selbst diese Zahlen geben kein wirkliches Bild des tatsächlichen Ausmaßes der Pandemie. Vor Kurzem erschien eine Studie über den Coronavirus-Ausbruch auf dem Kreuzfahrtschiff Diamond Princess, in der darauf hingewiesen wurde, dass zwischen einem Sechstel und einem Fünftel aller Erkrankten zwar keine Symptome aufweisen, aber andere anstecken können. Das bedeutet, eine solche Person könnte die Krankheit unwissentlich verbreiten.

Wegen dieser und anderer medizinischer Studien hat die Weltgesundheitsorganisation (WHO) betont, es sei wichtig, auf das Coronavirus zu testen („testen, testen, testen“) und die Kontakte aller bestätigten Fälle zu verfolgen. Während in China, Südkorea, Singapur und Japan weitreichende Maßnahmen ergriffen wurden, hat die Trump-Regierung erst knapp zwei Monate nach Bekanntwerden des ersten Coronavirus-Falls in den USA Massentests angeordnet.

So geriet die Ausbreitung in den USA außer Kontrolle, und die Krankenhäuser in den am meisten betroffenen Regionen stehen kurz vor dem Zusammenbruch. In New York City, dem nationalen Epizentrum der Krankheit mit 25.000 Fällen, erreichen sie bald die Grenzen ihrer Kapazität zur Behandlung der schwersten Fälle. Selbst hier erklärt die Stadtverwaltung ausdrücklich: „Es werden nur diejenigen getestet, die im Krankenhaus sind und bei denen eine Diagnose Auswirkungen auf die Pflege haben wird.“ Mit anderen Worten, da es noch relativ wenig Krankenhauseinweisungen gibt, würden ernsthafte Tests und Kontaktverfolgungen in der Stadt und im ganzen Land die Zahl der bekannten COVID-19-Fälle wahrscheinlich um das Zehnfache steigen lassen.

Zudem deuten immer mehr Anzeichen darauf hin, dass die Zahl der Fälle und der Toten manipuliert wird. Laut einem Artikel in Gizmodo wurde ein Jugendlicher, der vor Kurzem positiv auf das Coronavirus getestet wurde und daran starb, nicht in die offizielle Statistik aufgenommen, weil er laut den Zentren für Seuchenkontrolle und -prävention an einem septischen Schock gestorben ist. Sepsis ist keine Krankheit, sondern eine potenziell tödliche Überreaktion des Immunsystems auf eine Infektion, wie z. B. COVID-19. Weitere Untersuchungen sind nötig, um herauszufinden, ob in den USA und dem Rest der Welt weitere ähnliche Fälle existieren.

Um eine gewisse Kontrolle über die sozial brisante Lage in der größten Stadt der USA zu bekommen, bat der Gouverneur von New York, Andrew Cuomo, die US-Bundesregierung um 30.000 Beatmungsgeräte. Diese Maschinen sind wichtig, um die am stärksten gefährdeten Patienten am Leben zu erhalten, wenn sich die Infektion auf ihre Lungen ausdehnt. Im Vorfeld dieser Bitte hatten sich die Hinweise darauf verdichtet, dass bei COVID-19, im großen Unterschied zur saisonalen Grippe, wochen- oder monatelange maschinelle Beatmung notwendig sein kann, bis sich die Patienten zuverlässig erholen.

Präsident Donald Trump erklärte daraufhin kaltschnäuzig: „Ich glaube nicht, dass sie 40.000 oder 30.000 Beatmungsgeräte brauchen.“ Die Schwere der Pandemie verharmloste er mit den Worten: „Wenn man in ein großes Krankenhaus geht, gibt es dort teilweise zwei Beatmungsgeräte. Und jetzt wollen sie plötzlich 30.000 bestellen?“

Trump ignoriert mit seinen bösartigen Äußerungen die Erfahrungen mit dem Virus in China sowie den Kampf er Ärzte in Italien, Spanien und dem Iran, die momentan mindestens fünfmal so viele Tote pro Einwohner verzeichnen wie die USA und eine viel höhere Gesamtzahl. In diesen drei Ländern sind Beatmungsgeräte das Wichtigste, um Patienten in kritischem Zustand am Leben zu erhalten. In Italien ist der Mangel an Beatmungsgeräten so groß, dass die Ärzte die tragische Entscheidung fällen müssen, wer ihre Hilfe bekommt und wer nicht. Ohne zusätzliche Geräte wird New York bald in der gleichen Lage sein.

Auch in Detroit nähern sich die Bedingungen rapide einem Punkt, an dem die Lage außer Kontrolle gerät. Das Henry Ford Health System warnte, „extrem kranken Patienten“ könnten aufgrund eines Anstiegs der COVID-19-Fälle in der Metropolregion „keine Intensivbetreuung oder Beatmungsgeräte zur Verfügung stehen“. Sie werden außerdem angewiesen, dem Krankenhaus bei ihrer Aufnahme mitzuteilen, ob sie Wiederbelebungsmaßnahmen wünschen oder nicht, und dass „diejenigen mit der größten Heilungsaussicht oberste Priorität haben“.

Aufgrund der zunehmenden Ausbreitung des Coronavirus mussten außerdem 25 Bundesstaaten, 74 Landkreise, 14 Städte und ein Schutzgebiet für Ureinwohner Ausgangsbeschränkungen einführen, von denen insgesamt 228 Millionen Menschen betroffen sind. Alle nicht-lebenswichtigen Betriebe in diesen Gebieten wurden geschlossen, und die Menschen dürfen ihre Häuser nur zum Einkaufen, für Arztbesuche und andere von den Regierungen als „notwendig“ erachteten Aktivitäten verlassen. Alle großen Menschenansammlungen sind untersagt.

Das Gleiche findet auf internationaler Ebene statt. Alle Länder der Erde haben wegen der Pandemie in irgendeiner Form Reisebeschränkungen eingeführt, für einen Großteil der europäischen Bevölkerung gelten Ausgangsbeschränkungen. Gleichzeitig benutzen die Regierungen die Gelegenheit, ihre Grenzen weiter zu militarisieren. So planen die USA die Stationierung von 1.000 Soldaten an der Grenze zu Kanada und eine weitere Erhöhung der Militärpräsenz an der mexikanischen Grenze.

Die Weltgesundheitsorganisation hat diese Maßnahmen scharf kritisiert. Ihrer Meinung nach reichen sie nicht aus, um das Virus aufzuhalten, und schaden der internationalen Zusammenarbeit bei dessen Eindämmung. Generaldirektor Dr. Tedros Adhanom Ghebreyesus warnte am Mittwoch, Isolation könne zwar die Übertragung aufhalten, doch das Virus werde wahrscheinlich hinterher „erneut auftauchen“, wenn sonst nichts unternommen werde.