Nach Klage gegen rechtsradikalen Professor Baberowski: Rechte Kampagne gegen kritische Studierende

Von Christoph Vandreier
24. Oktober 2019

Nachdem sich zwei Studierendenvertreterinnen an der Humboldt-Universität gegen andauernde Beschimpfungen und Diffamierungen durch den rechtsradikalen Professor Jörg Baberowski und seine Anhänger juristisch zur Wehr gesetzt haben, sind sie einer üblen Hetzkampagne ausgesetzt, die von der Universitätsleitung gestützt wird.

Bafta Sarbo und Juliane Ziegler hatten Baberowski verklagt und eine Dienstaufsichtsbeschwerde gegen ihn eingereicht, weil der Professor sie als „unfassbar dumm“ und als „linksextreme Fanatiker“ diffamiert hatte. Zuvor hatten die beiden studentischen Vertreterinnen im Akademischen Senat der Universität Baberowskis gescheitertes Zentrum für Diktaturforschung sachlich kritisiert.

Die Klage ist bedeutsam, weil sie sich gegen ein Klima der Beleidigung und Einschüchterung richtet, das von rechtsradikalen Akademikern systematisch geschürt wird. Baberowski hatte schon früher Studenten als „widerwärtig“, „schmutzig“, „kriminell“, sowie als „Psychopathen“ beschimpft und auch Professorenkollegen bedroht und beleidigt.

Mit solchen öffentlichen Anfeindungen hat Baberowski regelmäßig seine rechtsradikale Anhängerschaft mobilisiert, die die Betroffenen daraufhin beleidigten, bedrohten und sogar studentische Veranstaltungen angriffen. Nach Baberowskis verbalen Attacken auf Sarbo wurden Fotos von ihr auf rechten Blogs veröffentlicht und rassistisch kommentiert. Zusammen mit Ziegler erhielt sie zahllose Drohungen und Beleidigungen.

Es ist daher von Bedeutung, dass sich die beiden nun auch rechtlich gegen diese Art von Einschüchterungsversuchen zur Wehr setzen. Doch sie sind einer üblen Hetzkampagne ausgesetzt, an der sich namhafte Medien und politische Parteien beteiligen und deren einziges Ziel darin besteht, Rufmord an den Studentinnen zu begehen.

Kurz nachdem Sarbo und Ziegler ihre Klage eingereicht hatten, durchforsteten rechte Aktivisten ihre politischen und privaten Veröffentlichungen, um irgendetwas zu finden, das sie gegen die Studentinnen verwenden können. Das einzige, das sie dabei entdecken konnten, war eine sechs Wochen alte Twitter-Nachricht, die Sabro weitergeleitet und positiv kommentiert hatte.

Darin wandelte ein Nutzer ein Zitat der RAF-Terroristin Ulrike Meinhof ab und erklärte, dass gegen Springer-Journalisten geschossen werden könne. Sarbos Worten zufolge hat sie in keiner Weise zu Gewalt aufgerufen; der Retweet sei „eine explizit humoristisch-polemische Reaktion auf einen rassistischen Artikel in der Bildzeitung“ gewesen.

Obwohl der Tweet lange nach Baberowskis Beleidigungen gegen Sarbo und Ziegler abgesetzt worden war, behauptete Baberowski gegenüber dem Tagesspiegel, dieser sei eine Grundlage für seine Aussage über Sarbo und Ziegler gewesen.

Selbst die Universitätsleitung musste erklären, dass „zwischen Äußerungen von Bafta Sarbo als Privatperson und der Ausübung ihres Amtes an dieser Stelle kein Zusammenhang“ bestehe. Dennoch wurde der Retweet in zahlreichen Zeitungen aufgegriffen und als Aussage im Rahmen der Auseinandersetzung mit Baberowski behandelt. Die Welt, die Frankfurter Allgemeinen Zeitung und die Berliner Zeitung griffen den Retweet auf und stellten ihn als Beleg für die vermeintlich linksextreme Gesinnung nicht nur Sarbos, sondern auch Zieglers hin.

Baberowski organisierte zusammen mit seinen Unterstützern eine regelrechte Hetzjagd gegen die Studentinnen. Er schrieb einen Brief an die Universitätsleitung und forderte diese auf, Maßnahmen gegen Sarbo zu ergreifen. Zudem schrieb er der Welt zufolge an den Springer-Verlag, der Sarbo daraufhin anzeigte, nicht aber die zahlreichen anderen Twitter-User, die den besagten Tweet geteilt hatten. Es ging also offensichtlich nicht um den Inhalt des Tweets, sondern darum, die mutige Studentin im Auftrag des Professors einzuschüchtern.

Schließlich berichtete die Welt, dass der forschungspolitische Sprecher der CDU-Fraktion im Berliner Abgeordnetenhaus, Adrian Grasse, eine schriftliche Anfrage an den Berliner Senat bezüglich des Tweets gerichtet habe. Der CDU-Politiker forderte demnach „den Ausschluss der Studentin aus dem akademischen Senat“, einem Gremium, in das sie von den Studierenden der Universität demokratisch gewählt worden ist.

Alle Parteien und Medien, die sich jetzt künstlich über den humoristisch-polemisch gemeinten Tweet einer Studentin echauffieren, beteiligen sich in Wirklichkeit an der Einschüchterung kritischer Studierender und verteidigen einen rechtsradikalen Professor.

Bemerkenswerterweise zitiert keine der genannten Zeitungen einschlägige Aussagen von Baberowski, der international für seine Relativierung der Nazi-Verbrechen bekannt ist. So hatte er im Februar 2014 im Spiegel den Nazi-Apologeten Ernst Nolte verteidigt und zur Begründung hinzugefügt: „Hitler war kein Psychopath, er war nicht grausam.“ Zudem relativierte er den Holocaust, wenn er in Bezug auf Erschießungen im Jahr 1918 nahe Moskau erklärte: „Im Grunde war es das Gleiche: industrielle Tötung.“ Aufgrund dieser Aussagen wies das Landgericht Hamburg nach einer Klage Baberowskis gegen die Sozialistische Gleichheitspartei zurück und bestätigte, dass er als Geschichtsfälscher bezeichnet werden könne.

In Hinblick auf den Krieg gegen den Terror empfahl Baberowski völkerrechtswidrige Formen des Vernichtungskriegs. Auch verharmloste er Terroranschläge auf Flüchtlingsunterkünfte als natürliche Reaktion besorgter Bürger, weshalb das Oberlandesgericht Köln dem Asta der Universität Bremen recht gab, der Baberowski als „rechtsradikal“, „gewaltverherrlichend“ und „rassistisch“ bezeichnet hatte.

Die Medien und Politiker, die jetzt auf die kritischen Studierenden losgehen und Baberowskis rechtsradikalen Standpunkte geflissentlich verschweigen, tun dies, weil sie mit diesen Positionen übereinstimmen. Sie sind sich nicht einmal zu schade, junge Studierende mit vollem Namen an die Öffentlichkeit zu zerren und zu verleumden, um jeden einzuschüchtern, der sich dieser Politik entgegenstellt.

Eine besonders üble Rolle spielt die Präsidentin der Humboldt-Universität, Sabine Kunst. Obwohl sie schon seit Jahren über Beleidigungen und Bedrohungen Baberowskis gegen Studierende und Kollegen persönlich informiert wurde, hat sie ein ums andere Mal bewusst geschwiegen. Stattdessen stellte sie sich wiederholt hinter den rechtsradikalen Professor, verklärte ihn als „hervorragenden Wissenschaftler“ und erklärte „mediale Angriffe“ auf ihn für „inakzeptabel“.

Nachdem das Studierendenparlament Kunst einstimmig aufgefordert hatte, sich von diesen früheren Aussagen zu distanzieren und Baberowskis Beleidigungen zu verurteilen, weigerte sie sich erneut, das zu tun. Stattdessen verlas sie im Akademischen Senat eine abstrakte Erklärung, in der sie „verbale Beleidigungen, diffamierende Äußerungen und Kommentare oder Tweets, die zu Gewalt aufrufen“ verurteilte, ohne Namen zu nennen. So machte sie sich ein weiteres Mal mit dem rechtsradikalen Professor gemein und attackierte Studierende, die einer Hetzkampagne und rassistischen Beleidigungen ausgesetzt sind.