Christoph Vandreier startet Vortragsreihe in den USA

Gut besuchte Veranstaltung an der University of California

Von Gabriel Black
11. April 2019

Am Montag begann Christoph Vandreier, stellvertretender Vorsitzender der Sozialistischen Gleichheitspartei (SGP), seine Vortragsreihe in den USA an der University of California (UC) in Berkeley, Kalifornien. Das Thema „Die Gefahr des Faschismus, und wie man dagegen kämpfen kann“ zog rund 70 Zuhörer an, vor allem Studierende der UC sowie Arbeiter aus der San Francisco Bay Area.

Das Publikum verfolgte Vandreiers Ausführungen mit gespanntem Interesse. Mehr als ein Viertel der Anwesenden erwarb die englischsprachige Ausgabe seines aktuellen Buchs „Warum sind sie wieder da? Geschichtsfälschung, politische Verschwörung und die Wiederkehr des Faschismus in Deutschland“. Der Verkauf von Büchern und Spenden erbrachte einen Erlös von über 700 US-Dollar. Ein Besucher, der von dem Buch vorher noch nie gehört hatte, erhob sich während der Diskussion und forderte die Zuhörer auf, es zu kaufen.

Christoph Vandreier spricht an der UC Berkeley

Vandreier zeigte im Einzelnen auf, wie siebzig Jahre nach der Niederlage des Dritten Reichs, das deutsche Kapital, rechte Akademiker und Teile des deutschen Staats sich verschworen haben, die Nazis zu rehabilitieren. Er erklärte, dass diese Entwicklung nicht auf Deutschland beschränkt, sondern Teil eines globalen Wiedererstarkens der extremen Rechten sei, das von Teilen der herrschenden Klasse weltweit befördert werde.

„Warum gibt es den Aufstieg der Rechtsextremen?“ fragte Vandreier und fuhr fort: „Die Ursache dafür ist der Kapitalismus.“ Er ging darauf ein, dass sich fast jedes Land der Welt in einer schweren sozialen und politischen Krise befindet: „Der Kapitalismus erlebt erneut einen Zusammenbruch.“ Die entscheidende Aufgabe sei „die unabhängige Mobilisierung der Arbeiterklasse gegen den Kapitalismus“, fuhr er fort. „Dafür treten wir, die Sozialistischen Gleichheitsparteien, ein.“

Im Anschluss an Vandreier sprach Joseph Kishore, der nationale Sekretär der Socialist Equality Party in den Vereinigten Staaten. Er erklärte den Zusammenhang von Vandreiers Ausführungen zur politischen Entwicklung in den USA und dem faschistischen Charakter der Trump-Regierung. Danach folgte eine lebhafte Frage-und-Antwort-Runde.

Ein Zuhörer wollte mehr über Hitlers Aufstieg zur Macht und über Trotzkis Aufruf zu einer Einheitsfront wissen. Vandreier schilderte ausführlich, wie die Führungen von SPD und KPD die deutsche Arbeiterklasse angesichts der faschistischen Gefahr gespalten hatten.

Eine andere Frage betraf die Rolle des Postmodernismus und der Geschichtsfälschung. Der Postmodernismus, so Vandreier, bestreite, dass es eine objektive historische Wahrheit gebe. Der rechtsextreme deutsche Professor Jörg Baberowski und andere, die den deutschen Militarismus rehabilitieren und die Verbrechen der Nazis entschuldigen wollten, nutzten den Postmodernismus als ideologische Basis.

Jonah

Jonah, der Geschichte studiert, sagte der World Socialist Web Site, er habe sich vor der Veranstaltung „nicht vorstellen können, wie sehr Medien, Politiker und Akademiker“ die Rechtsextremen fördern. „Der Faschismus“, meinte Jonah, „ist heute die größte Gefahr für die Menschheit, und wenn der Sozialismus dagegen etwas ausrichten kann, schützt er uns am besten vor dieser Gefahr.“

Reporter der WSWS sprachen auch mit Poorvi, einer jungen Studentin, die sich der IYSSE, der Studierenden- und Jugendorganisation der SEP, anschließen will. „Ich bin heute Abend hier, weil ich euer Plakat gelesen habe. Mich beunruhigt der Aufstieg der extremen Rechten auf der Welt schon lange. Deshalb wollte ich eure Perspektive kennenlernen. Meine Familie kommt aus Indien, und auch dort kommen die Rechtsextremen hoch. Ihr Aufstieg ist ein großes Problem. In Indien sieht man das an den Hindu-Nationalisten, die besonders islamfeindlich sind. Es ist überall dasselbe, nur in unterschiedlichen Facetten.“

Christoph Vandreier signiert Exemplare seines Buchs

Das Publikum bestand vor allem aus Studierenden, doch Unterstützung für die Veranstaltung gab es auch von Professoren an der Uni und von außerhalb. Jo, eine Soziologin von den Philippinen, konnte nicht teilnehmen, kaufte sich aber Vandreiers Buch am Bücherstand der IYSSE. „Wir sind aufgerufen, gegen das globale Erstarken der Rechtsextremen zu kämpfen“, sagte sie, „denn die traditionellen linken Parteien repräsentieren die Arbeiter überhaupt nicht.“

Vandreier wird seine Vortragsreihe diese und nächste Woche an großen Universitäten in den USA fortsetzen. Am Sonntag spricht der Spitzenkandidat bei den Europawahlen via Livestream auf der Wahlauftaktveranstaltung der SGP in Berlin.