Vorwahlen in Iowa:

Cruz siegt bei Republikanern, Clinton und Sanders Kopf an Kopf

Von Patrick Martin
3. Februar 2016

Die ehemalige US-Außenministerin Hillary Clinton hat am Montag die Vorwahl der Demokraten in Iowa nur knapp vor Senator Bernie Sanders aus Vermont gewonnen. Clinton erzielte 49,9 Prozent der Stimmen, Sanders erreichte 49,6 Prozent.

Bei der Vorwahl der Republikaner konnte sich Senator Ted Cruz aus Texas klar gegen den Milliardär Donald Trump und Senator Marco Rubio aus Florida durchsetzen. Neun weitere republikanische Kandidaten waren weit abgeschlagen. Cruz erhielt 28 Prozent der Stimmen, Trump 24 Prozent und Rubio kam auf 23 Prozent, obwohl Trump zuvor in den Umfragen in Führung gelegen hatte.

Die Wahlbeteiligung war sowohl bei den Demokraten als auch bei den Republikanern höher als im Vergleich zu den letzten Jahren. Bei den Republikanern lag sie mit 185.000 um 54 Prozent höher als bei der letzten Vorwahl. Für die Wahlbeteiligung bei den Demokraten gab es aufgrund der eigenwilligen Struktur der Vorwahl dieser Partei keine Gesamtzahlen. Sie meldete nur die Zahl der Delegierten, die für jeden Kandidaten zum Parteitag gewählt wurden, aber nicht die Gesamtzahl der Stimmen.

Laut Presseberichten konnte Sanders nicht so viele neue Wähler für sich mobilisieren wie Barack Obama bei seinem Sieg in der Vorwahl von 2008. Dieser erhielt damals die Stimmen von 239.000 Wählern. 2008 waren die Erstwähler in der Mehrheit, dieses Jahr machten sie nur 40 Prozent der Teilnehmer aus.

Eine hohe Wahlbeteiligung gab es unter Jugendlichen, vor allem in den Wahlbezirken um die University of Iowa, die Iowa State University, die Northern Iowa University sowie in anderen Hochschulstädten. Sie stimmten mit überwältigender Mehrheit für Sanders; sein Vorsprung gegenüber Clinton bei unter 30-jährigen Wählern betrug laut Wählerbefragungen 86 zu elf Prozent. Obama hatte 2008 bei seinem Sieg über Clinton und Senator John Edwards nur 57 Prozent der Stimmen der unter 30-Jährigen erhalten.

Sanders lag bei Wählern mit niedrigem Einkommen, d.h. einem Haushaltseinkommen von unter 30.000 Dollar pro Jahr, 16 Prozentpunkte vor Clinton, und drei Punkte bei Wählern mit einem Haushaltseinkommen von zwischen 30.000 und 50.000 Dollar pro Jahr. Clinton setzte sich bei Wählern in Haushalten mit mindestens einem Gewerkschaftsmitglied mit neun Punkten durch, bei schwarzen und bei Wählern lateinamerikanischer Herkunft mit 18 Punkten. In Haushalten mit Einkommen von über 100.000 Dollar pro Jahr erzielte sie einen deutlichen Vorsprung. Ihr größter Vorsprung lag bei Rentnern, mit 70 Prozent der über 65-Jährigen.

Weitere Wählerbefragungen zeigen den Linksruck, der seinen Ausdruck in der Unterstützung der Bevölkerung für Sanders findet. Etwa 70 Prozent der Demokraten-Wähler bezeichneten sich als „sehr liberal“, 90 Prozent hielten Krankenversicherung, Einkommensungleichheit und die Wirtschaft für die wichtigsten Themen. Nur sechs Prozent betrachteten Terrorismus als das zentrale Thema.

Bei den Vorwahlen in Iowa wird nur ein Bruchteil der Delegierten für die Parteitage der Demokraten und Republikaner bestimmt: 44 von 4.763 für die Demokraten und 30 von 2.472 für die Republikaner. Da es sich um den ersten Wettbewerb in einem ganzen Bundesstaat handelt und die Medien ausführlich darüber berichten, haben die Ergebnisse jedoch große Bedeutung für den weiteren Präsidentschaftswahlkampf.

Clinton entging im Wettbewerb in der Demokratischen Partei nur extrem knapp einer verheerenden Niederlage. Bei einer Veranstaltung spät in der Nacht erklärte sie, sie habe nach Bekanntgabe der Ergebnisse „erleichtert geseufzt“. Sanders gilt vielen als Favorit bei der Vorwahl in New Hampshire am 9. Februar, und zwei Niederlagen in Folge hätten Clintons Position als angeblich unvermeidliche Präsidentschaftskandidatin mit Sicherheit in Frage gestellt.

In ihrer Quasi-Siegeserklärung versuchte sie sich unübersehbar an Sanders' Anhänger anzubiedern. Sie bezeichnete sich als „progressiv“, als Befürworterin der allgemeinen Krankenversicherung, als Teil einer „langen Reihe von Reformern“ der amerikanischen Politik und betonte die Notwendigkeit der Einigkeit der Partei.

Sanders erklärte, die Ergebnisse der Vorwahl seien „eine Botschaft an das politische Establishment, das wirtschaftliche Establishment und, ja, auch an die etablierten Medien.“ Er wiederholte seine Kritik an einer „manipulierten Wirtschaft“, in der „fast alle Einkommens- und Vermögenszuwächse an das oberste Prozent gehen.“

Bei der Republikanischen Vorwahl waren ultrakonservative und christlich-fundamentalistische Wähler, vor allem in der ländlich geprägten Westhälfte des Staates, der wichtigste Rückhalt für Ted Cruz. Marco Rubio führte in den beiden größten Städten Des Moines und Davenport, Donald Trump gewann in Dubuque, Sioux City und vielen kleineren Industriestädten.

Da Trump in den letzten Wochen in den Umfragen an erster Stelle gelegen hatte, war die Niederlage in Iowa in gewisser Weise ein Debakel für ihn. Der milliardenschwere Demagoge hielt nur eine kurze Rede, in der er seine Niederlage eingestand, und eilte danach zu seinem Privatjet, um den Staat zu verlassen.

Rubio feierte seinen dritten Platz als Sieg, da er damit der bestplatzierte Kandidat ist, der nennenswerte Unterstützung vom Republikanischen Partei-Establishment genießt.

Für die neun republikanischen Kandidaten, die in Iowa nur einstellige Ergebnisse erzielten, wird dies vermutlich der Beginn eines Ausleseprozesses sein. Der ehemalige Gouverneur von Arkansas, Mike Huckabee, der 2008 die Vorwahl gewonnen hatte, erhielt diesmal nur zwei Prozent der Stimmen und gab den Abbruch seiner Kampagne bekannt. Der ehemalige Gouverneur von Florida, Jeb Bush, der anfangs durch seinen Namen und seinen riesigen Wahlkampffonds als Spitzenkandidat galt, erhielt weniger als drei Prozent. Allein in Iowa hatte er 15 Millionen Dollar für seinen Wahlkampf ausgegeben, bei 5.000 Stimmen entspricht dies einem Durchschnitt von 3.000 Dollar pro Stimme.