Deutliche Warnungen vor Gefahr eines Finanzkollaps

Von Nick Beams
14. August 2014

International wird immer häufiger davor gewarnt, dass sich das globale Finanzsystem auf eine erneute Katastrophe zubewegt. Diese Gefahr wird von der Flut praktisch kostenlosen Geldes angetrieben, das die amerikanische Federal Reserve und andere Zentralbanken den Banken und Spekulanten zur Verfügung stellen.

Am Dienstag veröffentlichte der britische Telegraph einen Artikel mit dem Titel „Globale Wirtschaft nur einen Schock von neuer Krise entfernt“. Er zitierte die Finanzfirma Fathom Consulting, die von ehemaligen Ökonomen der Bank of England geleitet wird, in dem Sinne, dass die momentane Ruhe an den Märkten zunehmende Risiken im globalen Finanzsystem verschleiert.

Der Direktor von Fathom sagte der Zeitung, dass China die Liste der Risiken „mit Abstand“ anführe, und dass die jetzt schon hohe Zahl an faulen Krediten noch einmal hoch schnellen werde, wenn seine Wirtschaft eine „harte Landung“ hinlege. Er zog Parallelen zwischen China heute und der Situation in den USA 2006, als der Immobilienmarkt ins Rutschen geriet.

Fathom zufolge beläuft sich der Wert fauler Kredite in der chinesischen Wirtschaft jetzt auf siebzehn Prozent des Bruttoinlandsprodukts (BIP). Die Firma erwartet zwar eine „weiche Landung“ der chinesischen Wirtschaft, warnt aber vor „erheblichen Risiken“, dass es den Behörden nicht gelingen könnte, eine Krise unter Kontrolle zu halten. Sie weist darauf hin, dass „eine ganze Menge Geld unterwegs ist, das keinen Gewinn abwirft.“

China oder irgendein anderer Markt wird vielleicht der Auslöser sein, aber die wirkliche Ursache für eine neue globale Krise wird in der Politik der Fed in den letzten sechs Jahren zu suchen sein. Seit dem Zusammenbruch von Lehman Brothers im September 2008 hat die Fed ca. vier Billionen Dollar in die Finanzmärkte gepumpt und dadurch eine Blase bei Aktienwerten und anderen Finanzpapieren geschaffen.

Am Dienstag zitierte der Sender für Finanznachrichten, CNBC, aus einem Investorenbrief von Geldmanagern des 25 Mrd. Dollar Hedge Fonds Elliott Management: „Wertpapierpreise sind künstlich aufgebläht, das Gleichgewicht ist flüchtig, die geringe Volatilität ist eine Falle. Und wenn die ganze Sache platzt, dann ist die Hölle los“, heißt es in dem Brief.

Die “quantitative Lockerung” der Fed, d.h. das Drucken von Geld in gigantischem Umfang und der Zentralbankzinssatz von 0,25 Prozent haben dazu geführt, dass die Finanzmärkte von Geld überschwemmt sind, die ihren Anteil am Profit verlangen. Das führt zu einem Anstieg der Preise von Wertpapieren und zu einem Sinken der Zinssätze von Anleihen. Demzufolge, wie Elliott Management, schreibt, „suchen Investoren jetzt Profit in Anlagen von immer geringerer Qualität. Sie lassen sich auf immer größere Risiken ein, ohne dass das durch höhere Zinssätze wett gemacht würde.“

Wenn der Markt ins Stocken gerät besteht die Gefahr, dass Spekulanten, die risikoreich investiert haben, ihre Papiere verkaufen müssen, um die Schulden zu begleichen, mit denen sie ihre Geschäfte finanziert haben. Wenn sich solche Verkäufe häufen, dann könnten sie sich auch auf weniger risikobehaftete Anlagen erstrecken, was zu einer Panik an den Märkten führen würde.

Nicht nur Hedge Fond Manager oder andere Finanzmarktteilnehmer machen sich solche Gedanken. In einer Rede an der University of Southern California im vergangenen Monat äußerte der Präsident der Federal Reserve Bank von Dallas, Richard Fisher zum wiederholten Mal seine Besorgnis über die Geldpolitik der Fed.

Viele seiner Bemerkungen ähneln denen der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich (BIZ) in ihrem Jahresbericht von Ende Juni, in dem sie vor dem Auseinanderklaffen der Wertpapierpreise und der Realwirtschaft warnte. Die BIZ wollte damit Druck auf die Zentralbanken ausüben, die Schrauben bei der Geldpolitik anzuziehen.

Die Vorsitzende der Fed, Janet Yellen, reagierte einige Tage später in einer Rede auf einem Forum des Internationalen Währungsfonds. Dort behauptete sie, dass makroprudentielle Regulierung, d.h. die direkte Aufsicht der Zentralbank das geeignete Mittel gegen finanzielle Risiken sei, und nicht eine Erhöhung der Zinsen, die zu mehr Arbeitslosigkeit führen würde.

Fisher kritisierte Yellen zwar nicht direkt, aber er verglich makroprudentielle Aufsicht mit der berüchtigten französischen Maginot-Linie, die angeblich eine deutsche Invasion abwehren sollte, sich aber als leicht zu umgehen erwies.

Fisher wies auf die beispiellos hohe Zahl von Wertpapiere in den Tresoren der Fed hin. Sie hält inzwischen ca. vierzig Prozent der US-Schatzbriefe und einen ähnlichen Anteil an hypothekenbesicherten Wertpapieren (MBS), die sich im Zentrum des Zusammenbruchs von 2008 befanden.

Fisher wies auf die internationale Bedeutung der Politik der Fed hin. Er sagte: „Das ist ein beispielloses Profil für den Vorrat an US-Bonds in der Hand der Aufsicht über das globale Finanzsystem.“

Die Anhäufung von Bonds und MBS’ in der Hand der Fed bedeutet, dass die Zentralbank nicht mehr außerhalb der Finanzkrise steht, wie noch 2008, sondern bei einer Wiederholung des Szenarios selbst tief involviert sein wird. Dadurch ist ihre eigene Lebensfähigkeit in Frage gestellt.

Eine neue Finanzkrise hätte weitgehende wirtschaftliche Folgen. Aber nicht weniger wichtig wären die politischen Fragen, die aufgeworfen werden.

Seit 2008 retten die Fed und andere Zentralbanken im Interesse der herrschenden Finanzeliten die Finanzhäuser und Spekulanten mit Billionen Dollar. Seit der gleichen Zeit zwingen sie die Arbeiterklasse, diese massiven Ausgaben des Staates zu finanzieren, indem sie den Lebensstandard der Arbeiter senken und Sozialleistungen kürzen.

Die amerikanische Bourgeoisie hat versucht, Zeit zu gewinnen, indem sie Obama ins Amt hievte, aber den herrschenden Klassen war immer bewusst, dass sie mit ihren Finanzmaßnahmen nicht in der Lage sein würden, das zugrundeliegende Problem des Profitsystems zu lösen. Außerdem können die Maßnahmen der letzten sechs Jahre nicht wiederholt werden. Eine neue Krise wird enorme soziale und Klassenkämpfe bringen.

Das ist der Grund, warum die Überweisung von unbegrenzten Finanzmitteln an die Finanzeliten mit Vorbereitungen für massive staatliche Unterdrückung einherging. Die Enthüllung der Ausspähaktionen der NSA und ähnlicher Aktivitäten von Geheimdiensten anderswo macht klar, dass die herrschenden Klassen in den USA und anderswo die arbeitende Bevölkerung als „den Feind im eigenen Land“ betrachten.

Auf was sie sich vorbereiten, war an der militärischen Belagerung einer ganzen Großstadt nach dem Terroranschlag auf den Boston Marathon 2013 abzulesen. Das war ein Testlauf für Maßnahmen gegen die Reaktion die Arbeiterklasse auf eine erneute Finanzkrise.

Zunehmende staatliche Unterdrückung im Inland ist von weiteren Kriegsvorbereitungen begleitet. In der Perspektive der WSWS vom 4. August schrieben wir: „Der israelische Angriff auf Gaza ist eine Warnung, welche Maßnahmen gegen den Widerstand der Arbeiterklasse gegen Krieg, Militarismus und Kürzungspolitik eingesetzt werden können.“

Genauso, wie sich die herrschenden Eliten auf die Klassenkämpfe vorbereiten, die einem weiteren Krieg oder einem neuen Finanzzusammenbruch folgen werden, muss sich auch die Arbeiterklasse vorbereiten.

Die zentrale Achse dieser Vorbereitungen ist der Aufbau des Internationalen Komitees und seiner Sektionen als neue revolutionäre Führung der Arbeiterklasse. Sie kämpfen für den internationalen Sozialismus als einzige Antwort auf das Programm der herrschenden Klasse, das in Krieg und staatlicher Unterdrückung besteht.