Vortrag “Kunst, Sozialismus und Arbeiterklasse” von David Walsh an der York Universität in Toronto

Von David Walsh
1. November 2013

David Walsh, Kulturredakteur der World Socialist Web Site, sprach am 24. Oktober vor einem Publikum aus Studenten, Arbeitern und Dozenten an der York Universität in Toronto. Die Veranstaltung wurde von den Internationalen Jugend und Studenten für Soziale Gleichheit (IYSSE) und der Lesegruppe Kritische Geografie in York organisiert.

Unter dem Titel "Kunst, Sozialismus, und Arbeiterklasse", skizzierte der Vortrag die Beziehung zwischen diesen drei Phänomenen, und betonte, dass die Verteidigung der künstlerischen Leistungen der Menschheit ein wesentlicher Bestandteil im Kampf für den Sozialismus sei.

Walsh begann mit einer Skizzierung der Kampagne der Socialist Equality Party der USA zur Verteidigung des Detroit Institute of Arts (DIA), die ein "konkreter Ausdruck" der Haltung der Partei gegenüber Kunst und Kultur ist. Der Sprecher erläuterte das fortgeschrittene Stadium des Angriffs auf Kunst und Kultur in den Vereinigten Staaten. Detroit ist ein klassisches Beispiel für die jahrzehntelange Deindustrialisierung, die von den politischen Parteien des Großkapitals und ihren Komplizen, den Gewerkschaften, unterstützt wurde. Die Arbeiterklasse wird des Zugangs zu Kunst und Kultur beraubt und gezwungen, für das Scheitern des Kapitalismus zu zahlen.

Die Kampagne zur Verteidigung des DIA, fuhr Walsh fort, wurde von der SEP als Teil ihrer Bemühungen gestartet, die Arbeiterklasse im Widerstand gegen die Pleite von Detroit und den Kapitalismus auf der ganzen Welt zu vereinen. Die SEP argumentiert, dass die Verteidigung von Kunst und Kultur, einschließlich der atemberaubenden Wandmalereien an der DIA, die von dem mexikanischen Künstler Diego Rivera stammen, von der Entwicklung von sozialistischem Bewusstsein in der Arbeiterklasse abhängt.

Bei Arbeitern und Künstlern in Detroit und den ganzen Vereinigten Staaten und international stieß die Kampagne zur Verteidigung des DIA auf starken Widerhall. Viele Unterstützungsbekundungen erreichten die Kampagne. Hunderte Arbeiter, Jugendliche und Rentner kamen am 4. Oktober zu einer Demonstration vor dem DIA. Der Protest war der größte Ausdruck politischer Opposition gegen den drohenden Bankrott von Detroit heute und markierte einen wichtigen Meilenstein in der Entwicklung der sozialistischen Bewegung.

Walsh verwies auf die entscheidende Rolle, die Kunst bei der Gestaltung des Bewusstseins der Arbeiterklasse in der Vorbereitung revolutionärer Kämpfe gespielt hat, einschließlich der Oktoberrevolution von 1917. Die besten Künstler hatten in abwechslungsreichen Formen lebendige Bilder des Lebens, voller Dynamik und Bewegung, Elemente der besten und der schlechtesten menschlichen Lebensumstände geschaffen. Indem sie halfen, andere zu inspirieren, der Empörung über bestehende Ungerechtigkeiten und dem Wunsch, die Gesellschaft grundlegend zu verändern, Ausdruck zu verleihen, bereiteten diese Arbeiten wichtige Schichten der Bevölkerung darauf vor, für die Sache der Befreiung des Menschen zu kämpfen.

Walsh wies auf die Schwächen der zeitgenössischen Kultur hin, die in den objektiven Problemen der gesellschaftlichen Entwicklung wurzeln, aber er erklärte auch, dass die größten künstlerischen Leistungen noch bevor stehen. Soziale Unruhe werde eine bedeutende Rolle bei der Verbesserung des kulturellen Klimas spielen.

Die Kunstredaktuer der WSWS verwies auf den Trend in "linken" akademischen Kreisen, die größten Kunstschätze der Menschheit als bloße ideologische Werkzeuge der herrschenden Klasse zu verunglimpfen. Diese demoralisierte Anschauung ist Ausfluss der post-strukturalistischen und postmodernen Denkschulen, und einer feindseligen Haltung des Kleinbürgertums gegenüber den kulturellen Leistungen und dem Potenzial der Menschheit. Die Traumata und Herausforderungen des 20. Jahrhunderts haben diese "Linken" weitgehend überwältigt. Sie hängen immer noch dem ausgetretenen, falschen Trugbild an, dass es unmöglich sei, objektive Realität in der Kunst oder generell im Denken zu erkennen.

Wie Walsh darlegte, ist das völlig falsch, was durch die dauerhaften Wahrheiten widerlegt wird, die Künstler im Laufe der Jahrhunderte überliefert haben, und die noch heute wertgeschätzt werden. Die sozialistische Bewegung steht vor der Aufgabe, diese Errungenschaften der Vergangenheit, sowie die künstlerische und kulturelle Bildung der Arbeiterklasse zu verteidigen. Der Redner beendete seinen Beitrag, indem er alle Anwesenden ermutigte, sich diesem Kampf zu widmen und sich der Socialist Equality Party anzuschließen.

Auf den Vortrag folgte eine breite, engagierte Diskussion.

Ein Zuhörer aus dem Publikum fragte nach den Parallelen zwischen der Leugnung der Fähigkeit der Kunst zur objektiven Wahrnehmung und den Theorien der "proletarischen Kultur" und des "sozialistischen Realismus" der stalinistischen Bürokratie.

Walsh erklärte zunächst einmal, dass die sowjetischen Künstler in den 1930er und 1940er Jahren unter Androhung von Haft oder Hinrichtung gezwungen waren, sich dieser anti-marxistischen Ideologie anzupassen. Die Idee, dass alle Kultur der Vergangenheit abgelehnt werden sollte, weil sie nicht-proletarischer Herkunft sei, war offenkundig absurd. Wenn das der Fall wäre, würden bahnbrechende Leistungen in der Wissenschaft und Philosophie, einschließlich des Marxismus selbst, ebenso als irrelevant abgetan werden müssen. Das unbestreitbare Genie von Literaten wie Tolstoi und Puschkin war unter anderem in ihrer Eigenschaft zu suchen, ehrlich zu sein, trotz ihrer politischen und sozialen Einschränkungen. Der Marxismus positioniert sich fest auf den Fundamenten der höchsten kulturellen Errungenschaften der Menschheit.

Ein Jura-Student warf die Frage neuer File-Sharing-Technologien und der durch Urheberrechtsgesetze und Formen geistigen Eigentums auferlegten Beschränkungen auf.

Diese neuen Technologien, antwortete Walsh, werfen von sich aus die Forderung nach einer universellen Verbreitung künstlerischen und kulturellen Materials und der Abschaffung des Privateigentums auf. Im Sozialismus würde die Gesellschaft Wege zur Erfüllung der wirtschaftlichen Bedürfnisse des Künstlers finden. Das von den Zwängen und Anforderungen des Marktes befreite Streben des Künstlers würde zu neuen erhabenen Höhen führen.

Ein Geografie-Student erkundigte sich nach den sozialen Bedingungen, die Karrieren von Filmemachern wie Steven Spielberg sowohl hervorgebracht als auch geprägt haben.

Walsh antwortete, dass Spielberg, obwohl er ein talentierter und sensibler Filmemacher sei, grundsätzlich ein Produkt seiner Zeit sei und keineswegs als einziger seine Grenzen habe. Spielberg und seine Landsleute seien dem stagnierenden Umfeld der amerikanischen Gesellschaft in den letzten Jahrzehnten ausgesetzt gewesen und hätten relativ wenig soziales Material gehabt, mit dem sie hätten arbeiten können.

Insgesamt sei, bekräftigte Walsh, die Qualität der amerikanischen Filmschaffenden seit ihrem Höhepunkt in den 1930er und 40er Jahren, deutlich zurückgegangen. Allerdings sind die sozialen Spannungen der aktuellen historischen Periode, die auf des Messers Schneide steht, geeignet, das Material für eine künstlerische Renaissance auf der ganzen Welt zu liefern.