Beendet die Verschwörung von UPS mit der Teamsters-Gewerkschaft!

Mobilisiert den Widerstand gegen den Ausverkauf!

Von WSWS-Newsletter für UPS-Arbeiter
15. August 2018

Schon vor einer Woche haben die amerikanischen Teamsters-Gewerkschaftsführer einem neuen Tarifvertrag beim US-amerikanische Paketzusteller und Logistik-Konzern UPS zugestimmt. Er soll durch umfangreiche Zugeständnisse zur Kostensenkung des Konzerns beitragen, aber für hunderttausende UPS-Arbeiter bedeutet er die Beibehaltung regelrechter Armutslöhne.

Über die Einzelheiten halten die Teamsters die Arbeiter weiterhin im Dunkeln. Noch immer gibt es kein Datum, an dem über den Tarifvertrag abgestimmt werden soll. Die letzte Information der Gewerkschaft stammt vom vergangenen Freitag. Darin heißt es, die Arbeiter würden „Anfang September“ ihre Stimmzettel erhalten, d.h. fast zwei Monate nach Ablauf des alten Tarifvertrags. Das Schweigen der Gewerkschaft ist Teil einer bewussten Strategie, die sie gemeinsam mit dem UPS-Management ausgearbeitet hat, um den Widerstand an der Basis zu schwächen.

Das UPS-Management hatte am 9. August deutlich gemacht, worum es bei dem Tarifvertrag wirklich geht. Es brüstete sich in einer Stellungnahme, die Zustimmung der Teamsters werde UPS „mehr Flexibilität“ verschaffen, u.a. für „verstärkte Wochenendbelieferung, und um besser auf Herausforderungen der Konkurrenz reagieren zu können“.

Da sich UPS auf die Fähigkeit der Teamsters verlässt, den Tarifvertrag durchzusetzen, kündigte der Konzern noch am gleichen Tag die Auszahlung einer vierteljährlichen Dividende von mehr als 700 Millionen Dollar an Aktionäre an. Dieses Geld wird direkt an die Wirtschafts- und Finanzelite gehen, u.a. an UPS-Vorstandschef David Abney und seine Vorstandskollegen, sowie an riesige Hedgefonds wie Vanguard Group (der 46 Millionen Dollar erhält), Blackrock (36 Millionen Dollar) und die State Street Corporation (24 Millionen Dollar).

70 Prozent der Belegschaft von UPS sind in Teilzeit beschäftigte Lagerarbeiter, die für zehn bis zwölf Dollar pro Stunde Schwerstarbeit leisten. Die Teamsters-Gewerkschaft, die einen Maximallohn von 15,50 Dollar für einen Lagerarbeiter als „großen Sieg“ bezeichnet, behauptet, es sei kein Geld da, um diese Arbeitskräfte angemessen zu bezahlen.

Das ist natürlich gelogen. Es ist mehr als genug Geld da, um die Löhne deutlich zu erhöhen, um Krankenversicherung und Renten vollständig zu finanzieren und um alle Teilzeit- in Vollzeitstellen umzuwandeln. Das Problem ist nicht das fehlende Geld, sondern die Tatsache, dass sich die Konzerne den Reichtum, den die Arbeiter schaffen, aneignen und an die Reichen weitergeben. Mit den 2,8 Milliarden Dollar, die UPS dieses Jahr in Form von Dividenden an die Wall Street auszahlt, könnte das Unternehmen sofort jedem Arbeiter den Lohn um 11.000 Dollar erhöhen.

Die Arbeiter lehnen die Verschwörung der Gewerkschaft mit dem Konzern zutiefst ab, aber ihr Widerstand muss bewusst organisiert und mobilisiert werden.

Bildet Basiskomitees, um einen Kampf zu organisieren!

Der UPS Workers Newsletter der WSWS ruft die Arbeiter dazu auf, Basiskomitees zu bilden, um den Kampf in die eigenen Hände zu nehmen. Diese Komitees sollten Forderungen aufstellen, die die Grundlage für einen landesweiten Streik bilden:

• Alle Teilzeitstellen müssen sofort in Vollzeitstellen, mit einer entsprechenden Lohnerhöhung und der Erhöhung aller Zusatzleistungen, umgewandelt werden.

• Abschaffung der unterschiedlichen Lohngruppen.

• Eine allgemeine Lohnerhöhung von 30 Prozent und die Wiedereinführung des Teuerungsausgleichs.

• Die Bereitstellung von Milliarden Dollar, um die Renten- und Gesundheitsfonds aller Beschäftigten vollständig zu finanzieren.

• Kontrolle der Arbeiter über die Produktion, u.a. die Festlegung von sicheren Geschwindigkeiten für Förderbänder und sichere Arbeitsbedingungen in den Lagerhäusern.

Viele Arbeiter äußern die berechtigte Befürchtung, dass die Teamsters versuchen könnten, die Abstimmung zu manipulieren, um den Tarifvertrag durchzusetzen. Deshalb muss die „Nein“-Kampagne beinhalten, dass Arbeiter den Abstimmungsprozess überwachen und seine Rechtmäßigkeit überprüfen. Um ein angemessenes Streikgeld sicherzustellen, müssen die Arbeiter außerdem die Kontrolle über die 160 Millionen Dollar schwere Streikkasse der Teamsters, die sie selbst finanziert haben, übernehmen.

UPS-Arbeiter müssen auf andere Teile der Arbeiterklasse zugehen!

UPS beschäftigt mehr als eine Viertelmillion Arbeiter, die ein immenses gesellschaftliches Potential darstellen. Sie transportieren mehr als ein Drittel aller Paketlieferungen in den USA, und vieles davon ist für das Funktionieren großer Teile der Industrie und der Wirtschaft von Bedeutung. Sie haben mächtige Verbündete in den 200.000 Beschäftigten der United States Postal Service (USPS) und der halben Million Amazon-Arbeiter in aller Welt. Sie alle sind Teil der globalen Versorgungskette, und sie sind mit ähnlichen Formen von Ausbeutung und Machtmissbrauch der Konzerne konfrontiert.

Die Arbeiter wissen, dass die herrschende Klasse und ihr Staatsapparat gegen einen Streik bei UPS mit allen Mitteln vorgehen werden. Diese Mittel könnten sich von einstweiligen Verfügungen und Polizeieinsätzen über Angriffe der Trump-Regierung und der Demokratischen Partei, sowie Hetze der Mainstreammedien, bis hin zu Versuchen der Teamsters erstrecken, den Kampf zu isolieren und zu verraten.

Die Logik des Konflikts, in dem die UPS-Arbeiter stehen, zwingt sie daher dazu, ihren Kampf auszuweiten. Basiskomitees der UPS-Beschäftigten müssen sich zusammenschließen und Verbindung zu Transport- und Logistikarbeitern aufnehmen, bei Amazon, USPS, FedEx oder andern Teilen der Arbeiterklasse in den USA und dem Rest der Welt.

Ein Streik bei UPS würde die Unterstützung von Millionen Arbeitern gewinnen, die seit dreißig Jahren mit Angriffen auf Arbeitsplätze, Löhne und soziale Rechte konfrontiert sind. Weltweit wächst die Kampfbereitschaft der Arbeiterklasse. In den letzten zwei Wochen stimmte eine überwältigende Mehrheit der Ryanair-Beschäftigten in Europa für den Arbeitskampf und organisierte einen eintägigen Streik. In den USA kehren die Lehrer an die Arbeit zurück, ohne dass auch nur eins der Probleme gelöst worden wäre, die Anfang des Jahres zum spontanen Streik geführt hatten. Sie wurden von den Gewerkschaften verraten.

Die UPS-Arbeiter genießen große Unterstützung. Das haben Aussagen von Detroiter Autoarbeitern deutlich gemacht, die sich gegenüber der WSWS für einen landesweiten Streik aller Arbeiter aussprachen.

Genau das befürchtet die herrschende Klasse. Unter Obama und Trump hat sie – durch ihre Politik extrem niedriger Zinssätze, Steuersenkung für Konzerne, Lohnsenkung und Plünderung von Sozialleistungen – der Arbeiterklasse alles Vermögen entzogen und es systematisch der Wirtschaftselite zugeschoben.

Die Logik des Klassenkampfs

Der gesamte kapitalistische Markt ist heute davon abhängig, dass die Aktienkurse endlos weiter steigen. Das erfordert die Senkung der Arbeiterlöhne, um die Forderungen des Finanzkapitals nach immer höheren Profiten zu befriedigen.

Diese Umverteilung von Reichtum wäre ohne die Gewerkschaften nicht möglich. Sie agieren seit dreißig Jahren nicht mehr als Arbeiterorganisationen, sondern als Agenten der Konzernvorstände, und verraten jeden Kampf der Arbeiter oder verkaufen ihn aus.

Es wäre eine gefährliche Illusion, zu glauben, man könne die Teamsters zu militanter Politik und zur Verteidigung der Arbeiterrechte zwingen. Das ist die Lüge, die die Gewerkschaftsfraktion der Teamsters for a Democratic Union (TDU) verbreitet.

Die TDU fordert ein „Nein“ zum Tarifvertrag, bietet den Arbeitern jedoch keine Perspektive für einen Kampf. Sie ruft die Arbeiter dazu auf, der Gewerkschaft zu vertrauen: Diese werde bei der Rückkehr an den Verhandlungstisch schon ein besseres Abkommen aushandeln. Die TDU hat ausdrücklich erklärt, sie rufe nicht zum Streik auf. Sie wollen den Widerstand beschwichtigen und verhindern, dass er sich zu einem echten Kampf gegen das Unternehmen und die herrschende kapitalistische Elite entwickelt.

Die Arbeiterklasse hat große Erfahrung mit solchen Dissidenten-Fraktionen innerhalb der Gewerkschaften. Ihre oppositionelle Rhetorik erweist sich immer wieder als heiße Luft. Die TDU selbst stellte mit Ron Carey von 1991 bis 1997 die Führung der Teamsters-Gewerkschaft, und er hat in dieser Zeit mehrere Kämpfe ausverkauft. Die TDU akzeptiert den nationalistischen und pro-kapitalistischen Rahmen der Gewerkschaften. Ihr Hauptanliegen ist es, in die Führung zu kommen und sich einen größeren Anteil an den hochbezahlten Posten zu sichern.

Der Klassenkampf ist ein Krieg. Die Gewerkschaften, die Konzerne und die Regierungen entwickeln ihre Strategie gegen die Arbeiter. Diese müssen daher ihre eigene Gegenstrategie entwickeln und eigene unabhängige Organisationen aufbauen.

Aus dem Kampf der UPS-Arbeiter ergibt sich direkt die Frage, welche Klasse die Macht hat und darüber entscheidet, wie die Mittel der Gesellschaft verteilt werden: die Arbeiterklasse, die durch ihre Arbeit den gesamten Reichtum der Gesellschaft produziert, oder die Wirtschafts- und Finanzoligarchie.

Die Socialist Equality Party kämpft für eine sozialistische Bewegung der Arbeiterklasse mit dem Ziel, große Konzerne wie UPS und Amazon zu enteignen. Die Vermögen der Oligarchie müssen enteignet und dazu benutzt werden, um die sozialen Bedürfnisse der Arbeiterklasse zu erfüllen. Die Konzerne müssen in öffentliches Eigentum umgewandelt und der demokratischen Kontrolle der Arbeiterklasse unterstellt werden, um der gesamten Gesellschaft zu dienen.

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